Sevdah und die Seele des Balkan-Akkordeons
Manche Musik erzählt eine Geschichte; Sevdah lässt sie einen fühlen. In den Städten Bosniens entstanden und über den Balkan getragen, ist sie eine Tradition der Sehnsucht, der Liebe und der stillen Melancholie. Auf dem Akkordeon – einem Instrument, das atmet – wird sie besonders ergreifend.
Was ist Sevdah?
Sevdah (oder Sevdalinka) ist das traditionelle städtische Liebeslied Bosniens und des weiteren Balkans, mit jahrhundertealten Wurzeln und Fäden aus osmanischer, sephardischer und slawischer Musik. Das Wort selbst stammt von einem Begriff für eine süße, schmerzende Sehnsucht – und genau dieses Gefühl ist der Kern.
Eine Sevdalinka ist meist langsam, reich verziert und zutiefst emotional – geschaffen, um ausgekostet und nicht übereilt zu werden.
Warum das Akkordeon dazu passt
Das Akkordeon teilt etwas Grundlegendes mit der menschlichen Stimme: Es atmet. Über den Balg kann man einen Ton anschwellen lassen, ihn verklingen lassen und eine lange Phrase so formen, wie eine Sängerin eine Textzeile gestaltet.
Das macht es zum idealen Partner für die langsamen, ausdrucksvollen Melodien des Sevdah – und es steht ganz natürlich neben den klassischen und zeitgenössischen Welten, die dasselbe Instrument bewohnen kann.
Eine Brücke zwischen Traditionen
Für einen im Konzertsaal ausgebildeten Künstler ist Sevdah kein Aufbruch, sondern eine Heimkehr – eine Möglichkeit, die Wärme des Balkans in dasselbe Konzert zu tragen, das auch Bach und Piazzolla birgt.
Diese Verbindung aus klassischer Disziplin und Balkan-Seele durchzieht Mile Vieros Spiel. Man hört sie in seinen Konzertvideos und erlebt sie live bei seinen kommenden Konzerten.