Was ist ein Konzertakkordeon?
Beim Akkordeon denkt man oft an einen Dorftanz oder eine Caféterrasse. Im Konzertsaal aber wird das Instrument zu etwas ganz anderem: zu einer kultivierten klassischen Stimme, die Bach-Fugen, Piazzolla-Tangos und kühnste zeitgenössische Musik beherrscht. Das ist das Konzertakkordeon.
Ein klassisches, nicht nur ein volkstümliches Instrument
Das Konzertakkordeon – auch klassisches oder chromatisches Akkordeon genannt – ist für die Konzertbühne gebaut, nicht für die Tanzfläche. Die rechte Hand verfügt über eine vollständige chromatische Klaviatur, und der Klang reicht vom leisesten Hauch bis zur großen orgelartigen Steigerung, ganz durch den Balg geformt.
Diese Ausdruckskraft hat dem Instrument an Konservatorien in ganz Europa einen Platz neben Klavier und Violine verschafft – auch an der Musikakademie in Ljubljana, an der Mile Viero studierte.
Free-Bass: der entscheidende Unterschied
Der größte Unterschied zum Volksakkordeon liegt in der linken Hand. Ein traditionelles Instrument nutzt das 'Stradella'-System fester Akkorde – wunderbar zur Begleitung, aber begrenzt für Kunstmusik. Das Konzertakkordeon ergänzt ein Free-Bass- (oder Converter-)System und gibt der linken Hand einen eigenen vollchromatischen Umfang.
Mit unabhängigen Stimmen in beiden Händen kann ein Akkordeonist endlich eine Bach-Fuge, eine Scarlatti-Sonate oder eine komplexe moderne Partitur genau so spielen, wie sie geschrieben steht.
Von Bach bis Piazzolla – und darüber hinaus
Das Konzertrepertoire ist weit größer, als die meisten Hörer vermuten. Es reicht von Barocktranskriptionen (Bach, Scarlatti, Rameau) über eigens für das Instrument geschriebene Werke des 20. und 21. Jahrhunderts bis zu den Tangos von Astor Piazzolla, Filmmusik und Crossover.
Viele Interpreten, darunter Mile Viero, bringen zudem die Volks- und Sevdah-Traditionen des Balkans in dasselbe Programm – Beweis, dass ein einziges Instrument sowohl den Konzertsaal als auch das Fest tragen kann.